Lantenhammer: Im Rausch der Orthografie

Tischaufsteller

Die Traditionsdestillerie Lantenhammer produziert am Schliersee feinste Edelbrände, „fruchtige Liqueure“, bayerischen Whisky oder „Bavarian Vodka“ in Spitzenqualität. Würde derselbe Anspruch doch auch für Marketing und Kommunikation gelten! Hier die Kurzanalyse eines Tischaufstellers, den Mephisto persönlich in einem Wirtshaus in Bad Wiessee platziert haben könnte:

1. Alles kann ermüden, selbst Erfolg.

Oder will Lantenhammer doch lieber den Mitbewerbern Kunden abjagen und nicht die eigene Produktpalette kannibalisieren? In diesem Fall empfehlen wir, den bestimmten Artikel zu streichen. „Für Kenner traditioneller Destillate“ würde sich an alle Connaisseure richten und nicht mehr ausschließlich Alternativen zu den traditionellen Destillaten aus eigener Produktion empfehlen.

2. Gut wird nicht besser, wenn man „am Besten“ großschreibt, und das gilt ausdrücklich auch für Fans des Superlativs.

3. Pluralis Bavarensis (oder so ähnlich)

Lantenhammer aus Äpfel

Natürlich brennt Lantenhammer am Schliersee und der liegt in Bayern. Doch auch dort wird ein Obstler vielleicht aus Apfel oder aus Äpfeln, ganz sicher aber nicht aus „Äpfel“ destilliert. In diesem speziellen Fall übrigens auch noch aus grammatisch unverfänglichen Birnen. Prost!

 

 

4. Gott würfelt nicht? Der Werbegott schon!

… zumindest beim Setzen von Satzendzeichen. Kein Wort, kein Satzfragment ist mehr vor einem vom Himmel gefallenen Punkt sicher. Doch was beim Imperativ oder einem starken Wort im Einzelfall noch sinnvoll sein kann, wird hier zum Schuss ins Knie. Denn warum die Zielgruppe ohne jede Not einschränken, statt die Produkte auch Nichtkennern traditioneller Destillate uneingeschränkt anzubieten? Punkt!

5. Eine Alternative ist eine Alternative …

… ist eine Alternative, anders als eine unechte Alternative, die nämlich keine Alternative ist.

6. Ein Genusserlebnis wird auch dadurch kaum unattraktiver, dass es als gängig bezeichnet wird. Wer wollte Erlebnisse austauschen, die er genießt?

7. Wer mit etwas richtig liegt, hat recht.

Wer bei etwas liegt, ob richtig oder nicht, testet möglicherweise Matratzen, hat Gleichgewichtsstörungen oder schludert mit Idiomen.

8. Jedem Zeichen wohnt ein Zauber inne.

Punkt, Punkt, Komma, Strich: Ist das nicht alles Geschmackssache? Das hängt davon ab, ob man Standards und Konventionen für überflüssig hält. Für alle anderen sind fehlende Bindestriche, Kommas oder überzählige Punkte schlicht Fehler oder eben Ausdruck schlechten Geschmacks. Und schlechten Geschmack unterstellen wir Lantenhammer als Hersteller luxuriöser Genussmittel nun wirklich als Letztes.

9. Alle Sprachen kennen das Fragezeichen …

… viele Werbetexter offenbar nicht. Dabei ist die Frage doch eine der elegantesten Methoden direkter Ansprache.

Fazit

Überflüssig zu erwähnen, dass der „authentisch bayerische“ Blindflug durch die Orthografie auch auf der Innenseite ungebremst weitergeht. Deshalb empfehlen wir Lantenhammer die Sorgfalt und Professionalität bei der Herstellung der Produkte auch auf Werbung und Kundenkommunikation zu übertragen. Das sollte bei 50 oder gar 100 Euro pro Fläschchen drin sein, oder? Und darauf jetzt einen guten Slyrs!